Freundesbrief August 2012

August 2012

Liebe Freunde,

„Die Nummer 1 in meinem Leben seid ihr jetzt und nicht meine Familie.“ Ein größeres Kompliment hätte uns dieses Mädchen aus unserer Kinderstunde in Phillippi nicht machen können. “Danke dafür, dass du uns besuchst“, flüsterte mir ein kleiner Junge zu und umarmte mich zaghaft. Sein blaues Auge und offene Wunden am Kopf erzählen uns seine Geschichte von Gewalttätigkeit im Elternhaus.

So wie das biblische Phillippi die bedeutendste Stadt Mazedoniens war, konzentrieren sich momentan auch in Kapstadt alle unsere Einsätze unter Kindern und Jugendlichen auf das Township Philippi mit seinen ca. 150.000 Einwohnern. Und so wie die Juden damals in Philippi keine eigene Synagoge, sondern nur einen Gebetsplatz besaßen, ist die Kirche, unser Treffpunkt in Philippi, auch nur eine verfallene Wellblechhütte. Aber zur Ehre Gottes kann ich sagen: So wie die Gemeinde im biblischen Philippi von einem starken geistlichen Lebensstrom erfasst wurde, sind auch unsere Kinderstunden lebendig. In den letzten Monaten haben ca. 60 Kinder Jesus Christus in ihr Leben aufgenommen. Ich habe es selten erlebt, dass die Kinder schon still und erwartungsvoll auf der Matte sitzen, wenn wir ankommen. Sie wollen sogar auf die Spiele verzichten, um mehr Geschichten aus der Bibel hören zu können. Sie beten zu Hause und auf der Straße gegen die Ermordung von Babies, denn in den letzten Wochen wurden in Philippi erschreckend viele Babies erstickt und ertränkt aufgefunden. Außerdem haben sie mit unserem ehrenamtlichen Mitarbeiter Lulama ein Drama, welches dieses Problem aufgreift, eingeübt und führen es jeden Tag auf den Straßen auf.

Wir bekamen die Rückmeldung, dass die Kinder unseren Herrn in ihren Familien bezeugen und ihre kleinen persönlichen Wunder erleben. Sie lieben den Lobpreis (besonders a gekko u fana u Jesu – keiner ist so wie Jesus). Mit eurer Hilfe konnte ich diese Arbeit hier beginnen und seit Juni können wir sogar einmal wöchentlich eine warme Mahlzeit austeilen. Danke für eure Unterstützung! Nach einem Einsatz im Kinderheim Garden wurden Senzo und ich so sehr von dem tragischen Schicksal eines Jungen berührt, dass wir beschlossen, diesen Jungen an den Wochenenden und in den Ferien zu uns einzuladen.

Therapiehund Benny wird trainiert, mit „anderen“ zurechtzukommen. Seitdem er von einem Pittbull auf offener Straße angefallen und gebissen wurde, hasst er andere Hunde.

Leider musste ich meiner neuen Mitarbeiterin Baliswa Jambo kündigen, weil sie in ihrem Haus eine Gaststätte eröffnet hat und eine weitere Zusammenarbeit unsere Arbeit unglaubwürdig gemacht hätte (unter der schwarzen Bevölkerung trinken Christen keinen Alkohol). Baliswas Nachfolgerin heißt Noluvo und ich arbeite sehr gerne mit ihr. Und nun habe ich noch ein besonderes Anliegen: Bitte denkt in den nächsten Wochen ganz besonders an geplante Einsätze in einem Heim für körperbehinderte Kinder in Guguletu.

Gottes Segen wünscht euch das Team Kapstadt mit Noluvo, Lulama, Senzo und Martina.

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Liebe Freunde und Unterstützer von Bambelela ku Jesu!

Martina hat mich gebeten, eine Ergänzung zu ihrem Bericht zu schreiben, da wir gerade Südafrika und bei der Gelegenheit auch „Bambelela“ besucht haben. Wir, d.h. mein Mann, unsere 3 Söhne und ich, waren im Juli auch einige Tage in Pietermaritzburg. Es war eine Freude, das Team dort zu sehen: Vernon als Leiter, der viel Fröhlichkeit ausstrahlt und dem seine Tätigkeit sichtlich Freude macht. Er hat eine große Gabe, Menschen zu begeistern und Kinder mitzuziehen.

Dann Octavia, die Leiterin des Kinderhortes, die mit großer Sorgfalt auf alle Kinder eingeht und speziell in den Vormittagsstunden, wenn vorschulischer Unterricht ist, jedes Kind entsprechend seinen Fähigkeiten fordert und fördert. Außerdem ist sie eine gute Darstellerin und Vorleserin, wenn sie den kleinen Kindern im Hort oder den Größeren im Nachmittagsprogramm im Slum biblische Geschichten vorträgt. Sie achtet auch sehr auf Disziplin und dass alle Kinder zu ihrem Recht kommen.

Joyce, die seit ca. 2 Jahren dabei ist, ist Octavias Cousine. Sie setzt sich im Hort und auch im Nachmittagsprogramm ein. Ihre in Zulu vorgetragene Geschichte, die wir zwar nicht verstanden haben, war so lebendig, dass alle Kinder lebhaft mitfieberten.

Das Nachmittagsprogramm in Imbali wurde von ca. 60 Kindern besucht, die trotz der Winterkälte manchmal nur im T-Shirt, andere die nur mit Sandalen oder barfuß kamen. Winter bedeutet in Südafrika: tagsüber bis ca. 20 Grad, wenn es abends um 19 Uhr dunkel wird, fällt das Thermometer rapide auf ca. 2-5 Grad. Alle Kinder freuten sich am Ende des Programms auf eine warme Mahlzeit aus Reis und einer Fleisch-Gemüse-Soße.

Die gute Seele des Kinderhortes ist Flomina, die 54 jährige Köchin. Sie wird von den Kindern „Gogo“ genannt, was so viel heißt wie Großmutter. Sie sagte zu mir: You know, a gogo is more than a mother. Und dann umschloss sie symbolisch mit einem weiten Bogen ihrer Arme alle Kinder und drückte sie an ihr Herz. Sie lacht viel, albert mit den Kindern rum, ermuntert sie zum Essen und hat immer ein fröhliches Wort für sie. Auch auf dem Spielplatz des Hortes ist sie immer mittendrin und unermüdlich, wenn es darum geht, die Kinder zum Lachen zu bringen.

Sehr betrübt hat uns, dass Mthobisi sehr krank war, als wir ihn sahen. Er konnte nicht arbeiten, kam aber trotzdem, um uns zu begrüßen und nach Imbali zu begleiten, wo er seit einigen Wochen wohnt.

Die Kinder im Hort waren natürlich recht beeindruckt von so vielen großen weißen Menschen, verloren im Spiel aber rasch ihre Scheu und scharten sich um unsere Kamera. Ganz besonders die Mädchen arrangierten sich immer wieder, geschmückt mit Blüten vom Spielplatz, zu Gruppenfotos und wollten fotografiert werden: eben ganz Mädchen!

Die meisten sprachen brockenweise englisch, sodass auch eine Verständigung möglich wurde. Und wenn nicht, dann wurde auch nur mal energisch am Ärmel gezupft. Farben lernen, Formen erkennen, Zahlen erfassen, das war das Programm am Vormittag. Und am Ende des Tages wurden sie liebevoll jeweils zu ihren Familien zurückgebracht, oft nur in die Obhut einer Großmutter oder Tante, weil die Eltern an AIDS verstorben sind.

Wir waren beeindruckt, wie sichtlich wohl sich die Kinder im Hort fühlen, wie sie miteinander spielen und so ganz nebenbei spielerisch lernen. Und dass in allem eine große Liebe der Mitarbeiter zu den Kindern mitschwingt. Und man spürt, wie viel es den Mitarbeitern bedeutet, ihnen Gottes Liebe und Jesus als Freund nahezubringen.

Danke, dass Sie als Spender das mit ermöglichen – jede Spende und jedes Gebet von Ihnen hilft, den Kindern in Südafrika das Leben heller zu machen. Danke, dass Sie Bambelela ku Jesu unterstützen! Ich bitte Sie: beten Sie weiter für die Kinder und jeden Mitarbeiter in Pietermaritzburg und Kapstadt!

Ihre Sabine Rathgen