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Freundesbriefe

Freundesbrief März 2008

März 2008

Liebe Freunde und Beter,

viele herzliche Grüße aus Südafrika sendet euch das Bambelelateam. Es gibt mal wieder so viel Neues zu berichten. Kylie ist seit September verheiratet und wir feierten bei strahlendem Sonnenschein eine wunderschöne Gartenhochzeit. Ina und Sherman erwarten im März ihr erstes Kind und halten sich für ein Jahr in Deutschland auf.

Neuigkeiten aus den Slums:
Vor einigen Wochen wurde eines unserer Kinder nachts von einem Feuer überrascht. Njabulo erinnerte sich in dem Moment an einen Bibelvers aus Josua 1: „Ich lasse dich nie im Stich, nie wende ich mich von dir ab“. Sie nahm ihre jüngeren Geschwister unter den Arm, lief durch die Flammen und ihnen geschah nichts. Njabulo sagte: Gott hat uns beschützt. Unsere Kleider haben nicht mal nach Rauch gerochen. Im Oktober erreichte uns die Meldung aus den Slums, dass Männer in einem dunklen Auto kleine Jungen entführen, die man später ermordet auffand. Die Kinder nannten es Vandalisaauto ( Zulu: Vandalisa: Sag deinen Eltern Tschüss.) Wir hörten, wie Kinder im Gebet Gott innig um Schutz und um die Festnahme dieser Kriminellen anflehten. Gott sei Dank wurden sie auch inzwischen verhaftet.

Im Oktober hatten wir die Idee, eine Weihnachtsfeier für 1000 Kinder zu veranstalten. Inspiriert durch Gottesdienste in New York mit bis zu 3000 Kindern, waren wir überzeugt, dass so eine Großveranstaltung auch bei uns machbar sein müsste. Ja, wir hatten da auch natürlich unsere Bedenken: Geschenke und Essen für 1000 Kinder, die Sicherheit, der Transport! Niel ermutigte uns immer ganz besonders mit einer Aussage, wenn er unsere besorgten Gesichter sah: Let god be god – Lass Gott Gott sein. Gott zeigte uns sein segnendes Vaterherz, als er 15 Firmen dazu bewegte, uns zu unterstützen. Die Kinder und Eltern wurden überreich beschenkt. 1000 Fußbälle, Handys, Puppen, Sonnenbrillen und vieles mehr; Hunderte Kilos an Lebensmitteln. Ein Busunternehmen stellte 15 Linienbusse kostenlos zur Verfügung, um die Kinder in unsere Gemeinde zu bringen. Das Motto des Tages war: “Glaube genauso wie Josua geglaubt hat“. Die Kinder sahen die Mauern Jerichos fallen ( aus einer Hüpfburg wurde die Luft herausgelassen.) und amüsierten sich köstlich über die Clowns und unseren, in Bildern festgehaltenen Jahresrückblick. Nach diesem Tag waren wir zwar alle ziemlich k.o., aber wir konnten aus vollem Herzen sagen:“ Es hat sich gelohnt.“

Unser neues Projekt ist ein Kinderhort für 4-6jährige Aidswaisen, die bei ihren Großmüttern oder anderen Verwandten leben und dort vernachlässigt werden. Das Haus ist schon gemietet. Momentan wird das Grundstück geebnet und eingezäunt. Außerdem müssen viele Formalitäten erledigt werden. 2 Erzieherinnen werden ab März in unserem Team mitarbeiten und hauptverantwortlich diese Arbeit leiten.

Neuigkeiten von mir:
Im Oktober beantragte ich eine Pflegschaft für einen 5jährigen Jungen aus Side 11 und den Verlauf möchte ich euch kurz schildern:
– Leute aus dem Slum berichteten mir, dass es Senzo schlecht geht. Er lief wie ein Hund durch die Strassen, suchte im Müll nach Essbarem und bettelte an den Haustüren
– er erkrankte an Krätze
– immer wieder fragte ich mich, ob ich Senzo zu mir nehmen sollte
– ich begann, Senzo am Wochenende zu mir zu nehmen und merkte, wie er aufblühte. In den ersten Wochen schlug und würgte er mich, nach 8 Wochen umarmte er mich zum ersten Mal. Er genoss das Baden und die regelmäßigen Mahlzeiten
– seine alkoholkranke Oma verkaufte seine Hosen und zog ihm über Wochen einen pinkfarbenen Zipfelrock an
– ich beantragte die Pflegschaft und hatte einige Interviews mit Sozialarbeitern. Von Anfang an waren sie auf meiner Seite
– Senzos Mutter und Oma gingen zum Sozialamt, um mir die Aufsichtspflicht zu übertragen
– am 10.12. wurde meinem Antrag zugestimmt und Senzo sollte nach meinem Reisedienst in Deutschland zu mir kommen
– im Januar wurde Senzos Mutter ermordet. Alle Formulare mussten noch einmal geändert werden. Senzos Oma bekam eine Anzeige, weil sie Senzos jüngerer Schwester im ersten Lebensjahr große Mengen Alkohol eingeflösst haben soll. Die 3jährige ist dadurch behindert und wird niemals laufen können
– Am 18. Febr. sollte Senzo zu mir kommen. Die Sozialarbeiter wollten ihn abholen und wir wollten gemeinsam zum Gericht
– die Oma versteckte Senzo irgendwo und weigerte sich, den Jungen zu übergeben. Der Sozialarbeiter wurde von ihren Trinkkumpanen sehr bedroht und auch von einem Hund gebissen
– 3 Sozialarbeiter versuchten am nächsten Tag noch einmal, Senzo abzuholen. Dieses Mal kooperierte die Oma gut und Senzo wurde zu mir gebracht. Seit dem 19.2. ist er bei mir.
Bitte betet ganz besonders dafür, dass Senzo sich gut einlebt.

Danke für eure Gebete und Unterstützung, die unser ganzes Wirken hier überhaupt nur möglich machen. Siyabonga (Danke) im Namen aller Kinder.

Gott segne euch,
Martina